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Beschreibung

Professor Christian Macketanz(1963)

 Öl auf Leinwand

 160 x 160 cm, 

entstanden 1987/1988, Werkverzeichnis D/J.

Das Gemälde gehört in die frühe Schaffensphase von Christian Macketanz und zeigt bereits wesentliche Merkmale seiner späteren Bildsprache. Zwei Figuren in Arbeitskleidung und gelben Schutzhelmen befinden sich auf einem Stahlträger in großer Höhe. Die Darstellung erinnert an industrielle Arbeitswelten, verzichtet jedoch auf jede konkrete narrative Festlegung. Die Szene wirkt zugleich alltäglich und rätselhaft. Kompositorisch wird das Bild von einem Kreuz aus horizontalen und vertikalen Trägern strukturiert. Die Figuren sitzen beziehungsweise hocken an den Schnittpunkten dieser Konstruktion. Dadurch entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Stabilität und Unsicherheit. Der große freie Raum im unteren Bildfeld verstärkt die Wirkung der Höhe und erzeugt eine psychologische Tiefe, obwohl die räumliche Ausarbeitung bewusst reduziert bleibt. Besonders charakteristisch ist die Körpersprache. Macketanz interessiert weniger die individuelle Identität als die emotionale Situation. Die linke Figur erscheint nachdenklich und in sich gekehrt, während die rechte Figur eine lauschende Haltung einnimmt. Beide Figuren kommunizieren nicht direkt miteinander, stehen aber dennoch in einer stillen Beziehung. Dieses Spiel aus Nähe und Distanz ist ein zentrales Motiv im Werk des Künstlers. Die Farbigkeit wird von kühlen Blau- und Grautönen dominiert. Die gelben Helme setzen starke Akzente und lenken den Blick auf die Köpfe als Träger psychologischer Bedeutung. Der warme, leicht orangefarbene Bereich im unteren Bildteil kontrastiert die kühle Gesamtstimmung und verleiht dem Werk eine unterschwellige emotionale Spannung. Stilistisch bewegt sich das Gemälde zwischen figurativer Malerei, poetischem Realismus und einer eigenständigen Form der Gegenständlichkeit. Die Figuren besitzen eine leicht entrückte Wirkung. Sie erscheinen wie Schauspieler einer inneren Handlung. Diese Offenheit der Interpretation gehört zu den wichtigsten Qualitäten der Malerei von Macketanz. Kunsthistorisch steht das Werk in der Tradition einer figurativen Malerei, die sich weder dem expressiven Gestus der 1980er Jahre noch einer rein erzählerischen Illustration verpflichtet. Bereits hier zeigt sich die spätere Konzentration des Künstlers auf Mimik, Gestik und die psychologischen Beziehungen zwischen Menschen.

Christian Macketanz wurde 1963 in Eutin (Schleswig-Holstein) geboren. Nach dem Abitur studierte er ab 1983 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei der bedeutenden Malerin Maria Lassnig. Die Wiener Jahre prägten seine künstlerische Entwicklung nachhaltig. Bis 1994 lebte und arbeitete Macketanz in Wien. Anschließend führte ihn ein Stipendienaufenthalt nach Rom, wo er bis 2001 tätig war. Die italienische Kunsttradition und die intensive Auseinandersetzung mit der europäischen Malerei erweiterten seinen künstlerischen Horizont erheblich. Von 2001 bis 2010 lebte und arbeitete er in Berlin. 2010 wurde er als Professor für Malerei an die Hochschule für Bildende Künste Dresden berufen. Seitdem zählt er zu den wichtigen Vertretern der zeitgenössischen figurativen Malerei im deutschsprachigen Raum. 2022 wurde er Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste. Seine Werke wurden in Deutschland, Österreich, Italien, Tschechien, den Niederlanden und weiteren europäischen Ländern ausgestellt. Zahlreiche Ausstellungskataloge und Monografien dokumentieren sein Werk.

Die frühen Arbeiten der 1980er Jahre entstanden in einem Umfeld, das von den Debatten um Neue Wilde, expressive Malerei und figurative Erneuerung geprägt war. Macketanz entwickelte jedoch früh eine eigenständige Position. Statt auf spektakuläre Gestik setzte er auf stille psychologische Situationen. In den 1990er Jahren rückte die menschliche Figur zunehmend in den Mittelpunkt. Die Bildräume wurden reduziert, während Körpersprache und Mimik immer wichtiger wurden. Seine Figuren erscheinen häufig isoliert, nachdenklich oder in rätselhaften Beziehungen zueinander. Während der Jahre in Rom vertiefte sich seine Beschäftigung mit klassischer europäischer Malerei. Die Werke gewannen an Konzentration und formaler Klarheit. Nach dem Umzug nach Berlin entwickelte er seine unverwechselbare Bildsprache weiter. Heute gilt Christian Macketanz als bedeutender Vertreter einer poetisch-figurativen Malerei. Seine Werke zeichnen sich durch psychologische Tiefe, subtile Erzählformen und eine bewusst zurückhaltende malerische Sprache aus. Die Konzentration auf Gesten, Blicke und zwischenmenschliche Beziehungen macht sein Werk innerhalb der zeitgenössischen Malerei unverwechselbar.


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