Loredano Rizzotti (geb. 1947 in Mailand, Italien)-Frühwerk-"Case di Ringhiera"-
1.450,00 €
Beschreibung
Künstler: | Loredano Rizzotti (geb. 1947 in Mailand, Italien) |
Technik: Öl auf Leinwand / Malkarton | |
Maße: 39 cm x 49 cm (Sichtmaß) | |
Signatur: Unten links signiert und datiert: "75 / Rizzotti" | |
Rahmung: Prunkrahmen mit hölzerner Passepartout-Leiste unter Lichtschutzverglasung | |
1. Werktitel & Topographische Einordnung
Aufgrund des Entstehungsjahres 1975, der stilistischen Merkmale und der dokumentierten Sujets des Künstlers lässt sich die Arbeit zweifelsfrei der berühmten Werkphase der "Case di Ringhiera" (Geländerhäuser) bzw. den
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historischen Stadtansichten der Mailänder Kanäle (Navigli) zuordnen. Ein treffender und kunsthistorisch stimmiger Titel für dieses Werk lautet:
„Inverno sui Navigli“ (Winter an den Navigli / Casa di ringhiera sotto la neve)
Das Bild zeigt eine charakteristische Hinterhof- und Kanalarchitektur Mailands im tiefen Winter. Im Vordergrund erstreckt sich eine von dichtem, schweren Schnee bedeckte Pergola oder ein hölzerner Unterstand, unter dem Wäsche oder Alltagsgegenstände zu erkennen sind. Dahinter erhebt sich die charakteristische Fassade eines Altbaus in warmen Ocker- und Erdtönen, flankiert von den für diese Region typischen, dunkelgrünen Fensterläden. Rechts im Bild fließen die Konturen in den Dunst des Kanals (Naviglio Grande) und einer Brückenbrüstung über, auf der schemenhaft Figuren staffageartig angedeutet sind.
2. Ausführliche Beschreibung des Malduktus
Der malerische Gestus (Duktus) von Loredano Rizzotti in diesem Werk aus dem Jahr 1975 ist zutiefst post- impressionistisch und von einer spürbaren, beinahe melancholischen Plastizität geprägt. Rizzotti arbeitet hier mit einem ausgeprägten, pastosen Farbauftrag (Impasto), der insbesondere in den Schneemassen auf den Dächern und dem Unterstand eine haptische Dreidimensionalität erzeugt. Der Schnee wird nicht als flache, weiße Masse wiedergegeben, sondern mit kräftigen, richtungsweisenden Pinselstrichen in Nuancen von Reinweiß, Elfenbein und kühlen Graublauen modelliert, wodurch das Spiel von Licht und Schatten im diffusen Winterlicht spürbar wird.
Die Pinselführung im Bereich der Gebäude und des Himmels ist wesentlich freier, impressionistischer und nass-in- nass ausgeführt. Der Himmel wirkt durch die Überlagerung von Schiefergrau, Dunstblau und lichten Ockertönen bewegt und wolkenverhangen, was die feuchte, kalte Atmosphäre eines norditalienischen Wintertages perfekt transportiert. Die architektonischen Linien werden nicht grafisch streng gezogen, sondern chromatisch voneinander abgesetzt. Rizzotti verzichtet auf harte Konturen; stattdessen formen sich die Gebäude, Fensterläden und die Staffagen im rechten Hintergrund rein aus dem Fleck (Macchia) und der farblichen Dichte heraus. Der bewusste Kontrast zwischen den warmen, erdigen Tönen der Fassade und der kühlen Unwirtlichkeit des Schnees und Himmels erzeugt eine intime, beinahe poetische Stimmung von Stille und Isolation.
3. Ausführliche Künstler-Vita
Loredano Rizzotti wurde 1947 in Mailand geboren und gilt als einer der feinsinnigsten Chronisten des schwindenden, historischen Mailänder Stadtlebens. Seine künstlerische Identität ist untrennbar mit dem Viertel rund um den Naviglio Grande verbunden, wo er 1982 auch sein offizielles Atelier bezog.
Besonderheit der Signatur: Die unten links befindliche Signatur zeigt die für Rizzottis Frühwerk charakteristische, kantige und stilisierte Schreibweise. Direkt darüber ist das Werk mit der zweistelligen Jahreszahl „75“ für das Entstehungsjahr 1975 versehen, was die kunsthistorische Relevanz als frühes, authentisches Zeugnis seiner Mailänder Schaffensperiode unterstreicht.
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In seiner ersten, prägenden Schaffensphase – in die auch das vorliegende Gemälde von 1975 einzuordnen ist – widmete sich Rizzotti fast ausschließlich der Erfassung des traditionellen Mailands. Berühmt wurde er für seine Darstellungen der sogenannten „Case di ringhiera“ (Arbeiterhäuser mit umlaufenden Außengeländern), der typischen Innenhöfe, Tore und Balkone sowie der Poesie des alltäglichen Lebens abseits der modernen Metropole. Diese Arbeiten zeichnen sich durch ein tiefes sentimentales und nostalgisches Gespür aus und schufen ein eigenes ikonographisches Genre in der zeitgenössischen italienischen Malerei, das später vielfach nachgeahmt wurde.
Im Laufe seiner Karriere entwickelte sich Rizzotti stilistisch und konzeptionell stetig weiter. Während er national und international große Anerkennung fand (unter anderem mit Einladungen zu bedeutenden Antiquitäten- und Kunstmessen wie der Mostra di Antiquariato Internazionale in Parma 2008/2010 oder Ausstellungen im renommierten Palazzo della Permanente in Mailand 2009 sowie Ausstellungen in den USA, wie in Seattle 2014), verlagerten sich seine Themen.
Nach der Phase der "Geländer" folgten symbolische und metaphorische Zyklen:
• I Portoni (Die Tore): Hierbei malte er geöffnete Hoftore – erst von außen nach innen blickend, später aus der schützenden Dunkelheit des Hofes hinaus in die gleißende, oft als chaotisch empfundene Außenwelt. Diese Werke reflektieren sein Bedürfnis nach Schutz, Ruhe und einer Flucht vor der Vulgarität der zeitgenössischen Moderne.
• I Libri (Die Bücher) & Le Valigie (Die Koffer): Stillleben von alten, gestapelten Büchern, Koffern und Musikinstrumenten, die als feine, melancholische Kommentare zum existentiellen Unbehagen und zum gefühlten Kulturverfall der Gegenwart zu verstehen sind.
Rizzottis Frühwerke aus den 1970er Jahren – insbesondere die raren, atmosphärischen Winter- und Kanalansichten wie das vorliegende Gemälde – sind auf dem Kunstmarkt heute besonders gesucht, da sie die dokumentarische Kraft des historischen Mailands mit der ungefilterten, frischen Malenergie des jungen Künstlers vereinen.
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